Schlank im Schlaf – ein Mythos?
Sicher bist auch Du schon einmal auf eine Überschrift gestoßen, die Dir das “Abnehmen im Schlaf” versprochen hat. Doch was ist dran an diesem Versprechen, das im ersten Moment zu schön klingt, um wahr zu sein? Wir wollen uns einmal anschauen, was die Wissenschaft dazu sagt.


Morgens wachst Du grundsätzlich leichter auf

Jeder Mensch verliert im Schlaf Gewicht. Das ist ganz natürlich. Im Laufe einer Nacht sind es meist ca. 2–3 kg. Aber warum verlieren wir Gewicht?

Zuerst einmal sollten wir klären, woher der Gewichtsverlust kommt. Dein Körper verliert jede Nacht Flüssigkeit. Und zwar zwischen ½ und ¾ Liter Wasser. Dieses sondert er den ganzen Tag über durch die Atmung und Schweiß ab, also auch, wenn Du schläfst.

Die restlichen ca. 2 kg Gewicht, die Du verlierst, sind Fett. Das liegt daran, dass Dein Körper nicht nur tagsüber, sondern auch nachts, wenn er sich ausruht, Energie verbraucht. Deine Organe und Dein Gehirn müssen auch nachts funktionieren. Dafür benötigen sie Energie. Zwar ist der Energieaufwand geringer als tagsüber, aber dennoch vorhanden. Da Du nachts, wenn Du schläfst, nichts isst oder trinkst, nutzt Dein Körper die vorhandenen Reserven und holt sich die Energie aus Deinen Fettzellen.


Länger schlafen hilft beim Fett verbrennen und Muskelerhalt

Laut einer Studie aus dem Jahre 2010 hat ein längerer Schlaf positive Auswirkungen auf die Menge an Fett, die man im Schlaf verbrennt. Gegenteilig verhält es sich mit der Muskelmasse. Umso kürzer der Schlaf, desto mehr Muskelmasse bildete sich bei den Probanden zurück.

Es wird vermutet, dass der Muskelrückgang auf eine erhöhte Produktion des Hormons Cortisol zurückzuführen ist. Durch den Schlafmangel entsteht Stress. Cortisol wird gebildet und der Körper nutzt die Muskelmasse anstelle der Fettzellen als schnelle Energiequelle.

Zu erwähnen ist noch, dass die Studie im Rahmen einer Diät durchgeführt wurde.


Schlaf beeinflusst Dein Essverhalten

Leptin ist ein Hormon, das Deinen Hunger stillt. Ghrelin regt Deinen Appetit hingegen an. 2004 fanden Forscher der Universität Bristol heraus, dass die Schlafdauer Auswirkungen auf den Anteil dieser beiden Hormone hat. Bei 5 Stunden Schlaf war der Ghrelin Gehalt im Blut um 15 % erhöht, wohingegen bei 8 Stunden Schlaf der Leptingehalt höher war. Wer wenig schläft, greift also aufgrund des stärkeren Appetits schneller zu ungesunden Sattmachern.

Dies wurde auch noch einmal von einer aktuelleren Studie belegt. Zu der Tatsache, dass ausreichend Schlaf unseren Hormonhaushalt positiv beeinflusst, kam in dieser Studie noch zusätzlich heraus, dass durch den Schlafmangel unser Belohnungssystem beeinflusst wird. Nach einer kurzen Nacht greifen wir schneller zu Dickmachern, wie süßen oder fettigen Snacks, um uns zu belohnen.


Kein Mythos

Dass Du im Schlaf abnimmst, ist also ganz natürlich. Warum wir dann in der heutigen Zeit nicht alle dünn sind, hängt damit zusammen, dass wir zu wenig Energie verbrauchen, zu viel Energie in Form von ungesundem Essen zu uns nehmen und sogar zu wenig schlafen. Wer also gesund lebt, indem er sich ausreichend bewegt, lange genug schläft und die richtigen Dinge isst, wird es schwer haben überhaupt zuzunehmen.

Doch in unserer heutigen Gesellschaft ist Essen im Überfluss vorhanden und unsere Büroarbeit und Infrastruktur macht uns das Leben zu leicht. Zumindest, wenn es um die nötige, tägliche Bewegung geht. Hinzu kommt, dass wir seit der vergangenen 50 Jahren 2 Stunden weniger pro Nacht schlafen. Dies haben wir unserer leistungsorientierten Gesellschaft zu verdanken.

In diesem Sinne,
Schlaft gut!

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