Durch Optimismus besser schlafen: So wirkt sich die Psyche auf unseren Schlaf aus

Optimisten schlafen besser: Das legt eine Studie von amerikanischen Wissenschaftlern nahe. Die Forscher der Universität Illinois konnten belegen, dass optimistisch eingestellte Menschen mit insgesamt positiven Angewohnheiten und Charaktereigenschaften wahre Erfolgsschläfer sind. Das betrifft gleichermaßen ihr Ein- und ihr Durchschlafen.

Bedeutung der sogenannten Schlafgesundheit

Die Schlafgesundheit – also die Umstände, wie schnell wir einschlafen und wie wir durchschlafen – ist für unsere Gesamtgesundheit enorm wichtig. Sie beeinflusst nicht nur unsere Stimmung und Leistungsfähigkeit, sondern auch unser Immunsystem, die Verdauung und die Psyche im Ganzen, also unsere kognitiven und emotionalen Fähigkeiten. Unausgeschlafene Menschen sind nicht nur schlecht gelaunt, sie treffen auch schlechtere Entscheidungen, merken sich Dinge schlechter und reagieren verlangsamt, was im Straßenverkehr und an der Maschine eine echte Gefahr ist. Ein Wunder ist das freilich nicht. Schlafbeeinträchtigungen gibt es viele, die meisten Faktoren sind auch hinlänglich bekannt. Es gehören dazu:

  • Stress
  • Einfluss elektronischer Geräte
  • mangelhafte Schlafumgebung (Licht, Luft, Temperatur, Lärm etc.)
  • Alkohol, andere Drogen, Kaffee und fettes, spätes Essen vor dem Zubettgehen
  • ungelöste Konflikte

 

Weniger bekannt ist hingegen bislang, dass der allgemeine, grundlegende Gemütszustand – mehr pessimistisch oder mehr optimistisch – ebenfalls den Schlaf stark beeinflusst. Darüber klärt nun die genannte Studie auf, welche die amerikanischen Wissenschaftler im Juli 2019 im Behavioral Medicine veröffentlichten (hier die Originalpublikation). Die Forscher untersuchten für ihre Studie das Schlafverhalten und die Psyche von 3.500 Personen im Alter von 32 bis 51 Jahren. Die Studie lief über zehn Jahre, im Fünf-Jahres-Abstand bewerteten die TeilnehmerInnen in Fragebögen ihre Gesamtschlafdauer und -qualität im Vormonat. Gleichzeitig beantworteten sie Fragen zu Ihrer Gesundheit, zu persönlichen Merkmalen und zu ihrem Optimismus. Das Ergebnis verblüffte: Demnach können optimistische Menschen besser ein- und durchschlafen, ihre durchschnittliche Schlafdauer ist ebenfalls gegenüber den notorischen Pessimisten leicht erhöht. Sie sind tagsüber wacher und klagen zu 74 Prozent kaum bis nicht über Schlafstörungen.

Was sind die Ursachen für die Schlafgesundheit der Optimisten?

Die Studienleiterin Prof. Dr. Rosalba Hernandez vermutet, dass Optimisten die alltäglichen Stressereignisse positiver interpretieren. Sie erleiden nicht weniger Stress als andere Menschen auch, sie deuten ihn aber nicht als so gefährlich, belastend oder gar existenzbedrohend. Vielmehr gehen sie mit ihm problemorientiert und aktiv um. Damit reduzieren sie ihre Sorgen und vermeiden das intensive Nachgrübeln, das den Pessimisten den Nachtschlaf raubt und sie schon ihr Einschlafen stark verzögert. Optimisten sind daher auch gesünder, weil eine schlechte Schlafqualität prekäre gesundheitliche Folgen hat, unter anderem Fettleibigkeit und Bluthochdruck. Daher erlangen Optimisten nicht nur psychologische, sondern auch physische Vorteile. Sie leben einfach gesünder. In ihrem Alltag sind sie häufiger glücklich, auch das fördert naturgemäß die Schlafqualität. Darüber hinaus schaffen es optimistische und damit eigentlich glückliche Menschen besser, ihre Probleme abzuwehren (veraltet: zu verdrängen). Das ist in vielen Fällen nützlich. Wenn wir ehrlich sind, haben gesunde, in Lohn und Brot stehende Mitteleuropäer eigentlich keine ernsthaften Probleme, doch wir tendieren dazu, sie allzu oft aufzubauschen. Das vermindert unsere Schlafqualität, wenn wir außerdem noch zum Pessimismus neigen. Optimisten vergessen manche Probleme einfach, und das ist vielfach auch gut so.

Zur Studiendurchführung „Schlaf und Optimismus“

Die Autoren der Studie merken an, dass es inzwischen einen Paradigmenwechsel bei der Betrachtung der sogenannten psychologischen Schutzgüter gab. Zu diesen gehört auch eine insgesamt optimistische Grundeinstellung, die dadurch gekennzeichnet ist, dass Menschen rein kognitiv ihre Zukunft als eher positiv und vor allem beherrschbar einschätzen. Dieser psychologische Aktivposten befördert ein krankheitsfreies Überleben, weil er das Risiko für schwere kardiovaskuläre Erkrankungen senkt – unter anderem, weil er die Schlafgesundheit fördert. Hierzu wurden valide Daten erhoben, so die Zahl der erneuten Krankenhausaufenthalte nach Bypass-Operationen bei eher optimistischen oder eher pessimistischen (bis depressiven) Personen. Optimisten scheinen generell seltener von Herzinsuffizienz und der damit einhergehenden Mortalität betroffen zu sein. Psychisches Wohlbefinden und kardiovaskuläre Gesundheit sind eng miteinander assoziiert. Es gab aber bislang nur wenige Studien zur Beziehung zwischen Herz- und Schlafgesundheit, diese Lücke wollten die Autoren der Studie füllen. Das ist auch deshalb bedeutsam, weil die Folgen für das Gesundheitssystem durch schlafbedingte Erkrankungen erheblich sind. Neben Herzerkrankungen, Bluthochdruck und einer erhöhten Unfallneigung leiden Menschen mit mangelnder Schlafgesundheit verstärkt unter Adipositas und Erkrankungen des Immunsystems.

Wie schlafen Menschen mit gesunder Psyche?

Es gab schon vor der hier zitierten Studie wenige Querschnittsberichte aus den USA, die das Schlafverhalten und die Schlafqualität von Kindern und Erwachsenen in Verbindung mit ihrer mehr oder weniger optimistischen Lebenseinstellung beschrieben. Diese Berichte belegten durchweg, dass optimistischere Personen ein günstigeres Schlafprofil aufweisen. Dieses existiert auch dann, wenn die soziodemografischen Merkmale sowie daraus resultierende oder unabhängig davon existierende psychische Belastungen als eher ungünstig einzuschätzen sind. Das bedeutet: Auch arme, von Sorgen eigentlich geplagte bzw. geforderte Menschen können sich bei optimistischer Grundeinstellung einer durchaus guten Schlafqualität erfreuen. Die hier zitierte jüngste Studie wollte nun diese bislang mit zu wenig validen Daten belegte These verifizieren. Sie wurde zu diesem Zweck als Langzeitstudie angelegt, denn bisherige Studien waren Kurzzeitstudien über rund ein Jahr gewesen. Der Schlaf kann sich aber innerhalb eines Jahres wenig, in den folgenden Jahren jedoch gravierend verändern. Auf den früheren Forschungen setzte die aktuelle Studie indes auf. Auch sie leitete drei Metriken ab:

  • Schlafdauer
  • Schlafeffizienz (= gesamte Schlafdauer in Relation zur Schlafdauer im Bett)
  • Schlaffragmentierung (Anteil ruhiger und unruhiger Schlafphasen)

 

Beachtet wurden dabei die klinisch relevanten Schwellenwerte, bei denen eine Schlafstörung zu diagnostizieren ist. Die nun vorliegende Langzeitstudie wirkt gegenüber früheren Forschungen deutlich aussagekräftiger. Aufgrund der sehr hohen Teilnehmerzahl und der langen Studiendurchführung lässt sich in der Tat konstatieren, dass optimistische Menschen sehr viel besser schlafen und dadurch seltener an den beschriebenen Krankheitsbildern leiden.

Wie erreichen wir mehr Optimismus?

Es scheint für die Schlafgesundheit sehr relevant zu sein, ob wir es schaffen, zu einer mehr optimistischen Lebenseinstellung zu gelangen. Unsere Kognition – das erkenntnismäßige Erfassen unserer Lebenswirklichkeit – ist daran maßgeblich beteiligt. Ein Beispiel: Wenn ein Mensch ein Problem vor sich sieht, das auf den ersten Blick komplex bis (scheinbar) unüberwindbar erscheint, so kann er sich einem Zweckpessimismus hingeben und konstatieren, dass ohnehin alles schiefgehen wird, er kann aber auch rein kognitiv nach Lösungen und verschiedenen Optionen suchen. Es gibt immer welche. Damit verschwindet der Pessimismus. Das ist im Moment mühevoll, doch langfristig schläft dieser Mensch deutlich besser und erfreut sich damit einer viel besseren Gesundheit. Ist es das nicht wert?

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