Warum schlafen wir?
Jeder macht es und jeder braucht ihn. Menschen und Tiere tun es. Auch Bakterien und sogar unsere Körperzellen benötigen ihn. Den Schlaf. Aber warum verbringen wir ⅓ unseres Lebens in einem Zustand an den wir uns nicht einmal mehr erinnern können? Die Wissenschaft hat das Phänomen Schlaf zwar immer noch nicht komplett erforscht, doch wurden in den letzten Jahren viele aufschlussreiche Erkenntnisse über ihn gewonnen. Schlaf gilt schon lange nicht nur als reine Ruhephase. Er ist essentiell für unsere Gesundheit.Die Folgen, wenn wir nicht ausreichend Schlaf bekommen, können verheerend sein. Z.B. können Krankheiten wie Diabetes, Depression und Herz-Kreislauf-Beschwerden durch mangelnden Schlaf verursacht werden. Doch warum genau musst Du eigentlich schlafen und was passiert mit Dir, während Du schläfst?


Das Gehirn

Im Gehirn herrscht nachts reges Treiben. Zu keiner anderen Zeit im Leben wird in unserem Kopf mehr herumgeschraubt als im Schlaf”, sagt Albrecht Vorster. Er ist Neurobiologe an der Universität Tübingen und Autor des Buches “Warum wir schlafen”.Das Gehirn ist vermutlich der größte Grund dafür, dass Du überhaupt schlafen musst. Es ist Dein aktivstes Organ und ununterbrochen beschäftigt, während Du wach bist. Als zentrale Steuereinheit aller Körperprozesse regelt es Dein Sprechen und Denken, Deine Bewegungen, verarbeitet Sinneseindrücke, regelt Hunger und Durst und vieles mehr. Wenn Du schläfst, können sich die Nervenzellen in Deinem Gehirn erholen.


Gedächtnistraining findet nachts statt

Alle Eindrücke, die Du tagsüber erlebst, werden in Deinem Kurzzeitspeicher (dem Hippocampus) abgelegt. Nachts, wenn Du schläfst, werden diese Informationen in den Neocortex, einem Teil der Großhirnrinde transportiert. Dabei handelt es sich um Deinen Langzeitspeicher. Die Informationen werden aber nicht einfach bloß dort abgelegt, sondern es findet eine Verknüpfung mit alten Erinnerungen statt und unwichtige Dinge werden aussortiert. Damit alles auch dauerhaft gespeichert und richtig miteinander verbunden wird, werden die Inhalte immer wieder im Hippocampus aktiviert. Dies geht aus der erhöhten Aktivität, die man beim Gehirn im Schlaf festgestellt hat, zurück. Würdest Du in diesem Moment wach sein, erlebst Du diese Eindrücke erneut und es kommt zu Halluzinationen. Das Gehirn weiß nicht mehr zwischen dem gerade Erlebten und bereits abgespeicherten Informationen zu unterscheiden und verfälscht somit Deine Erinnerungen. Unter Schlafentzug wurden Halluzinationen tatsächlich nachgewiesen.


Gesundheit im Schlaf

Ein weiterer Teil Deines Körpers, der nur Dank des Schlafes richtig funktioniert, ist Dein Immunsystem. Neben der geistigen Erholung wird nachts auch Dein Körper schneller repariert. Dein Körper wird entgiftet und Schädlinge werden im Schlaf ausgeschieden. Abwehrstoffe gegen Viren und Bakterien werden gebildet und Deine Zellen tauschen Informationen über Eindringlinge aus. Daraus bildet sich ein immunologisches Gedächtnis. Befallen Dich erneut dieselben Eindringlinge, wird Dein Körper nun schneller darauf reagieren können. Da dies in der Nacht passiert, raten Ärzte auch davon ab, nach einer Impfung die Nacht durchzumachen. Nachweislich werden dann weniger Abwehrzellen gebildet.


Schlafen macht schön

Wer hat das nicht auch schon einmal gehört: Schlaf macht schön! Laut einigen Studien ist es erwiesen, dass besser ausgeruhte Menschen attraktiver auf ihre Mitmenschen wirken. Auch alterst Du bei gesundem Schlaf langsamer. Während wir schlafen, werden nämlich Wachstumshormone ausgeschüttet. Wunden am und im Körper werden so schneller geheilt. Wer wenig schläft, muss damit rechnen, schneller an altersbedingten Krankheiten wie Diabetes, Demenz und Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken.


Wach-Schlaf-Rhythmus

Schlaf ist wichtig für Deine Gesundheit. Würden wir nicht schlafen, würden wir sterben. Dies wurde zwar noch nicht am Menschen, aber bereits bei anderen Lebewesen wie z.B. Ratten beobachtet. Damit Du immer den Schlaf bekommst, den Du benötigst, hast Du in Deinem Körper eine innere Uhr, die den Rhythmus vorgibt. Diese circadiane Uhr (lat. “circa diem”, ungefähr ein Tag) steuert alle Phänomene, die den Tag-Nacht-Rhythmus betreffen. Diese ist sehr eng mit dem Tag-Nacht-Wechsel, Helligkeit und Dunkelheit verknüpft. Ganze Organe funktionieren während wir schlafen anders als im Wachzustand. Und Hormone wie Melatonin und Cortisol unterliegen Schwankungen. Übrigens dauert das Einstellen auf diese rhythmische Uhr beim Menschen ungefähr ein Jahr. Diese Zeitspanne variiert aber von Mensch zu Mensch.

In unserer modernen Gesellschaft kämpfen wir immer stärker gegen diese innere Uhr an. Wir stellen uns einen Wecker, arbeiten in Schichten oder begeben uns auf Reisen in entfernte Länder. Allein schon das frühe Aufstehen bringt uns aus unserem Gleichgewicht. Ein Jetlag nach einem längeren Flug macht am deutlichsten sichtbar, was mit uns passiert, wenn wir aus unserem Wach-Schlaf-Rhythmus gerissen werden. Schichtarbeiter befinden sich quasi dauerhaft in einem Jetlag. Diese Art der Lebensweise verhindert einen erholsamen Schlaf und kostet uns auch auf Dauer unsere Gesundheit.

Dabei sagt Dir Dein Körper auf ganz natürliche Weise, wann er Schlaf benötigt. Wenn Du Dich darauf einlässt und Deine innere Uhr machen lässt, wirst Du feststellen, dass Du schon nach kurzer Zeit morgens erholt und immer zur gleichen Zeit aufwachen wirst.

Schlaf gut!


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